Phonak Audéo Infinio Sphere Ultra – Update 2025

von von Maximilian Bauer, MSc. Clinical Audiology (Kommentare: 0)

Phonak Audéo Sphere Ultra im Test

Phonaks RIC Infinio Sphere Ultra vor weissem Hintergrund

 

Stand: (Erstveröffentlichung: 27. Oktober 2025)
Autor: Maximilian Bauer, Hörakustikmeister, MSc. Clinical Audiology
Fachliche Prüfung: MSc. Audiology

Aktualisiert: Dieser Artikel wurde grundlegend überarbeitet. Korrigiert wurden die Angaben zu Chip, Gehäuse, Mikrofonen und Bluetooth. Neu sind die Abschnitte zu unabhängigen Messungen, zur Rolle der Otoplastik sowie FAQ und Quellen.

Das Phonak Audéo Infinio Sphere Ultra ist kein neues Hörgerät. Es ist ein Firmware-Update für das Sphere Infinio von 2024. Gehäuse, Mikrofone und Chips sind dieselben geblieben.

Geändert hat sich die Software: das neuronale Netz für Sprache im Lärm, die Situationserkennung und vor allem der Stromverbrauch. Dieser Artikel ordnet ein, was davon belegt ist und was nicht.

Tipp vorab: Lesen Sie vor dem Kauf unsere unabhängige Kaufberatung für Hörgeräte – dort erfahren Sie, wie Sie die passende Versorgung erkennen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ultra ist ein Firmware-Update, veröffentlicht im Oktober 2025. Die Hardware ist identisch mit dem Sphere Infinio von 2024.
  • Wer bereits ein Sphere Infinio trägt, bekommt das Update beim Akustiker aufgespielt. Ein Neukauf ist nicht nötig.
  • Der größte Fortschritt liegt in der Laufzeit: Phonak nennt 30 % weniger Stromverbrauch.
  • Im unabhängigen Labor ließ sich durch das Update keine messbare Leistungssteigerung beim Sprachverstehen nachweisen. Das Ausgangsniveau war allerdings bereits sehr hoch.

Was hat das Update geändert?

Spheric Speech Clarity 2.0

Spheric Speech Clarity ist das neuronale Netz, das Sprache in Echtzeit vom Störgeräusch trennt. Es läuft auf einem eigenen KI-Chip namens DEEPSONIC.

Für Version 2.0 wurde das Netz neu trainiert. Laut Sonova war das erst nach dem Marktstart möglich, weil die Entwickler nun das reale Verhalten des fertigen Chips messen und das Netz darauf abstimmen konnten.

AutoSense OS 7.0

AutoSense OS ist die Automatik, die entscheidet, in welcher Hörsituation Sie sich befinden und welche Funktionen aktiv werden. Sie bestimmt auch, wann das neuronale Netz anspringt.

Phonak gibt an, die Automatik mit 18-mal mehr Daten trainiert zu haben. Sie soll schwierige Hörsituationen 24 % genauer erkennen. Beides sind Herstellerangaben.

Laufzeit

Die kurze Laufzeit im Sphere-Modus war der häufigste Kritikpunkt an der ersten Generation. Das Update senkt den Stromverbrauch nach Herstellerangabe um 30 %.

  • Dauerbetrieb im Sphere-Modus: vorher 5 bis 7 Stunden, jetzt 10 bis 11 Stunden
  • Ohne Sphere-Modus und ohne Streaming: über 50 Stunden

Weitere Änderungen

  • Schnellere und stabilere Bluetooth-Kopplung
  • EasyGuard: ein neues Schirmchen mit Cerumenschutz
  • APD 3.0: die überarbeitete Phonak-Anpassformel

Phonak Audéo Infinio Sphere Ultra Hörgeräte

Was ist gleich geblieben?

  • Chips: weiterhin zwei Prozessoren, ERA für die Grundfunktionen und Funk, DEEPSONIC für das neuronale Netz
  • Gehäuse: unverändert, und damit weiterhin deutlich größer als ein übliches RIC-Gerät
  • Mikrofone: unverändert
  • Funk: Bluetooth Classic, kompatibel mit iOS und Android

Was zeigen unabhängige Messungen?

Das Labor HearAdvisor misst Hörgeräte am Kunstkopf. Das Sphere Infinio Ultra erreicht dort einen SoundScore von 4,58 von 5 und liegt bei Sprache im Lärm deutlich über dem Durchschnitt der getesteten Geräte.

Das Fachportal HearingTracker hält zugleich fest: Das Ultra-Update selbst führte im Labor zu keiner messbaren Verbesserung gegenüber der ersten Firmware. Der Gewinn des Updates liegt demnach in Laufzeit und Bedienung, nicht in einem besseren Sprachverstehen.

Eine Messung am Kunstkopf ist kein Trageergebnis. Sie sagt, was das Gerät technisch leistet, nicht, was beim einzelnen Träger ankommt.

Klinische Studien

Zwei begutachtete Studien haben das Sphere Infinio an Patienten getestet, beide an der Mayo Clinic und beide vor dem Ultra-Update.

  • Saoji et al. (2024): 10 Patienten mit mittel- bis hochgradigem Hörverlust. Das Sprachverstehen im Störgeräusch stieg mit aktivem Sphere-Programm um 23 bis 32 Prozentpunkte gegenüber dem Programm für ruhige Umgebung.
  • Kolberg et al. (2025): 11 Träger eines Cochlea-Implantats mit Hörgerät auf dem anderen Ohr. Das Satzverstehen im Störgeräusch stieg um 19 Prozentpunkte.

Beide Studien sind klein. In beiden kamen Sprache und Störgeräusch aus derselben Richtung. An der ersten Studie waren Mitarbeiter von Sonova als Koautoren beteiligt.

Aus meiner Anpasspraxis: Ich habe Sphere-Geräte angepasst. Die Technik funktioniert. Ihre volle Wirkung erreicht sie aber nur mit einer individuell gefertigten Otoplastik. Mit Schirmchen spüren viele Träger den Vorteil kaum. Den Grund erkläre ich im nächsten Abschnitt.

Warum die Otoplastik über den Nutzen entscheidet

Ein Hörgerät kann nur den Schall bereinigen, der durch das Gerät läuft. Ein Schirmchen verschließt den Gehörgang nicht. Schall gelangt daran vorbei direkt zum Trommelfell.

Das betrifft vor allem die tiefen Frequenzen. Unterhalb von etwa 1000 Hz ist eine offene Versorgung akustisch nahezu durchlässig. Genau dort liegt ein großer Teil der Energie von Stimmengewirr, Verkehr und Motorengeräusch.

Die Folge: Das neuronale Netz liefert ein bereinigtes Signal, aber der ungefilterte Lärm trifft parallel auf direktem Weg ein und überlagert es. Der rechnerische Vorteil des Geräts kommt am Trommelfell nur teilweise an.

Eine Otoplastik mit passender Belüftungsbohrung verringert diesen Direktschall. Erst dann bestimmt das Hörgerät, was Sie im Lärm hören.

Für die Beratung: Fragen Sie Ihren Akustiker beim Probetragen gezielt nach der Ankopplung. Ein Probetragen mit Schirmchen zeigt nicht, was das Gerät mit Otoplastik leistet.

Für wen lohnt sich das Sphere Ultra?

  • Für Träger, die häufig in lauter Umgebung mit mehreren Sprechern verstehen müssen
  • Für Träger mit mittel- bis hochgradigem Hörverlust. Für diese Gruppe liegen die klinischen Daten vor.
  • Für Träger, die eine Otoplastik akzeptieren
  • Für Besitzer eines Sphere Infinio: Das Update lohnt sich allein wegen der Laufzeit.

Weniger geeignet ist das Gerät, wenn Ihnen ein kleines Gehäuse wichtig ist oder wenn Sie ausschließlich offen versorgt werden möchten.

Nachfolger seit 2026: Mit dem Phonak Audéo EON Sphere gibt es eine neue Generation mit kleinerem Gehäuse und neuem Chip. Zum Artikel über das Phonak EON

Technische Eckdaten

  • Bauform: RIC (Lautsprecher im Gehörgang)
  • Prozessoren: ERA und DEEPSONIC
  • Funk: Bluetooth Classic, iOS & Android
  • Laufzeit: über 50 Stunden ohne Sphere-Modus und Streaming, 10 bis 11 Stunden im dauerhaften Sphere-Modus (Herstellerangaben)
  • Schutzklasse: IP68

Häufige Fragen

Ist das Sphere Ultra ein neues Hörgerät?

Nein. Es ist ein Firmware-Update für das Sphere Infinio von 2024. Seit Oktober 2025 werden die Geräte ab Werk mit der neuen Firmware und unter dem Namen Ultra verkauft.

Kostet das Update etwas?

Phonak stellt das Update kostenfrei bereit. Es wird beim Hörakustiker aufgespielt. Ob Ihr Akustiker dafür eine Servicepauschale berechnet, klären Sie am besten vorab.

Verstehe ich mit dem Update besser?

Im unabhängigen Labor zeigte das Update keine messbare Verbesserung des Sprachverstehens. Spürbar ist die längere Laufzeit im Sphere-Modus.

Brauche ich für das Sphere eine Otoplastik?

Technisch nicht, das Gerät funktioniert auch mit Schirmchen. Der Nutzen im Lärm fällt mit offener Versorgung aber deutlich geringer aus, weil tieffrequenter Lärm am Hörgerät vorbei ins Ohr gelangt.

Lohnt sich jetzt noch der Kauf eines Sphere Ultra?

Seit 2026 gibt es mit dem Audéo EON Sphere einen Nachfolger. Das Ultra bleibt technisch aktuell beim Sprachverstehen im Lärm. Für das EON sprechen das kleinere Gehäuse und die bessere Windgeräusch-Unterdrückung.

Fazit

Das Ultra-Update macht das Sphere Infinio alltagstauglicher, nicht leistungsfähiger. Die Laufzeit im Sphere-Modus hat sich nahezu verdoppelt. Das Sprachverstehen im Lärm war bereits vorher auf hohem Niveau und ist dort geblieben.

Wie viel davon bei Ihnen ankommt, hängt stärker von der Ankopplung im Ohr ab als von der Firmware-Version.

Quellen

  1. Saoji, A. A. et al. (2024). How Does Deep Neural Network-Based Noise Reduction in Hearing Aids Impact Cochlear Implant Candidacy? Audiology Research, 14, 1114–1125. doi:10.3390/audiolres14060092
  2. Kolberg, C. et al. (2025). DNN-Based Noise Reduction Significantly Improves Bimodal Benefit in Background Noise for Cochlear Implant Users. Journal of Clinical Medicine, 14, 5302. doi:10.3390/jcm14155302
  3. Dillon, H. (2012). Hearing Aids (2. Aufl.). Thieme. Kapitel zu Ankopplung und Belüftung.
  4. Strom, K. (2025). Phonak’s Infinio Ultra Hearing Platform Lifts Off at NASA. HearingTracker, 19.11.2025. hearingtracker.com (Herstellerangaben zu Firmware, Laufzeit und AutoSense OS 7.0)
  5. HearingTracker (2026). Phonak Hearing Aids: Costs, Reviews, and Sound Samples. hearingtracker.com (Laborbefund zum Ultra-Update)
  6. HearAdvisor. Laborergebnisse Phonak Audéo Infinio Sphere. hearadvisor.com

Über den Autor

Max Bauer

Maximilian Bauer, MSc. Clinical Audiology
Maximilian Bauer gilt als erfahrener Experte für Hörsystemversorgung, moderne Hörakustik und ethische Beratung im Gesundheitswesen. Er verbindet handwerkliche Präzision mit akademischem Wissen und setzt sich für eine transparente, menschenorientierte Hörversorgung ein.

www.hoergeraete-insider.de


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