Signia MaX: Was tun die vier KI-Netze, und was ist belegt?

von von Maximilian Bauer, MSc. Clinical Audiology (Kommentare: 0)

Maximilian Bauer zeigt zwei Signia Pure Charge&Go MaX Hörgeräte mit individuell gefertigten Otoplastiken

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Hörakustikmeister, MSc. Clinical Audiology

Freitagabend, das Restaurant ist voll. Sie sind zu früh und warten allein an der Bar. Um Sie herum Stimmen, Gläser, Musik. Sie müssen niemanden verstehen, Sie wollen nur dabei sein.

Zehn Minuten später kommen Ihre Freunde. Der Lärm ist derselbe. Aber jetzt reden vier Personen durcheinander, und Sie wollen mitreden.

Für diesen Wechsel hat Signia das Pure Charge&Go MaX gebaut, kurz Signia MaX. Das Hörgerät ist seit dem 24. August 2026 in Deutschland erhältlich. Am 14. Oktober startet der Hersteller auf dem EUHA-Kongress in Hannover die Werbekampagne dazu.

Das Wichtigste vorab: Im Signia MaX arbeiten vier neuronale Netze. Signia nennt diese KI „Acoustic Intelligence“. Nach allem, was Signia veröffentlicht hat, filtern sie den Schall überwiegend nicht selbst. Sie erkennen, wer spricht und was um Sie herum geschieht, und lenken damit Richtmikrofone und Störgeräuschunterdrückung. Begutachtete Studien zum MaX gibt es nicht. Die Studien des Herstellers sind bisher nicht öffentlich einsehbar. Ein unabhängiges Labor hat das Gerät gemessen, mit ordentlichem, aber nicht herausragendem Ergebnis.

Einordnung: Endlich hat ein Hersteller ein Hörgerät nach mir benannt. Leider mit großem X am Ende, und leider ohne mir eines zu schenken:D Angepasst habe ich das MaX deshalb noch nicht, stehe aber in den Startlöchern. Bis dahin stützt sich dieser Artikel auf Herstellerunterlagen, Studien und eine Labormessung.

Von AX über IX zu MaX: drei Plattformen

2021, Augmented Xperience (AX). Signia verarbeitet Sprache und Umgebung erstmals in zwei getrennten Wegen und mischt sie danach wieder zusammen. Sprache lässt sich so anheben, ohne den Hintergrund mit anzuheben.

2023, Integrated Xperience (IX). Aus einer Richtkeule werden mehrere. Das Gerät verfolgt Gesprächspartner an verschiedenen Positionen gleichzeitig, auch wenn sie sich bewegen.

2026, Multi-adaptive Xperience (MaX). Ein neuer Chip und vier neuronale Netze, die diese Technik steuern sollen.

MaX ist also kein Neuanfang. Es setzt auf die Richtmikrofon-Technik des Vorgängers eine zusätzliche Ebene.

Signia MaX: Was ist neu?

Die folgenden Angaben stammen aus der Pressemitteilung und der Plattformbroschüre von Signia vom August 2026.

Neuerung Was sich ändert Wie belegt
Chip 54-fache Rechenleistung, doppelter Speicher, 50 Prozent sparsamer als IX Herstellerangabe
Acoustic Intelligence Vier neuronale Netze für Sprache, eigene Stimme, Umgebung und Störgeräusch, trainiert mit 40 Millionen Klangbeispielen Herstellerangabe
Multi-Beamformer AI Ein Netz erkennt Sprecher in rund 50 Millisekunden und lenkt die Richtkeulen Fachpapiere des Herstellers, nicht einsehbar
Own Voice Processing AI Die eigene Stimme wird ohne Einmessen erkannt Herstellerangabe
Ambient Scene Adaptation AI Fließende Anpassung an die Umgebung statt fester Programme Keine Studie
Funk Bluetooth Classic, LE Audio und T-Spule in einem Gerät Herstellerangabe
Auracast Vorbereitet. Die volle Funktion soll bis März 2027 per Update kommen Ankündigung
Akkulaufzeit Bis zu 30 Stunden ohne Streaming, 30 Minuten Laden für rund 6 Stunden Herstellerangabe

Das Pure Charge&Go MaX ist ein wiederaufladbares Hörgerät mit Lautsprecher im Gehörgang. Es gibt drei Leistungsklassen: MaX 7, MaX 5 und MaX 3. Alle drei enthalten die vier Netze.

Was diese Netze tun, ist die eigentliche Frage.

Vier KI-Netze, aber wofür?

Ein neuronales Netz kann in einem Hörgerät zwei verschiedene Aufgaben haben.

Es kann filtern. Der Schall läuft durch das Netz, und das Netz trennt Sprache vom Lärm. So arbeitet das Phonak Sphere. Wie das geht und wo die Grenzen liegen, steht im Artikel zum Phonak EON.

Es kann erkennen und lenken. Das Netz hört zu und entscheidet: Hier spricht jemand, dort ist Verkehr, jetzt redet der Träger selbst. Den Schall bearbeiten dann Richtmikrofone, Verstärkung und Störgeräuschunterdrückung, also Technik, die es schon gab.

Bei Signia spricht vieles für die zweite Bauweise. Die Netze heißen Speech Detection, Own Voice Detection, Scene Analysis und Noise Processing. Drei der vier Namen beschreiben Erkennen, nicht Filtern. In der deutschen Broschüre heißt die Sprachfunktion „Multi-Beamformer AI“: ein Richtmikrofon, das von einem Netz geführt wird.

Auch die Begründung des Herstellers passt dazu. Signia hat nach eigener Aussage bewusst auf ein einzelnes großes Netz verzichtet, weil es mehr Energie und mehr Trainingsdaten gebraucht hätte.

Nuance: Das ist meine Lesart der Herstellerunterlagen. Signia legt nicht offen, ob das vierte Netz den Schall selbst bearbeitet oder nur die Stärke der Störgeräuschunterdrückung einstellt. Einen Vergleich beider Bauweisen im selben Gerät habe ich in der Fachliteratur nicht gefunden.

Wenn die Lesart stimmt, entsteht das bessere Verstehen im MaX weiterhin im Richtmikrofon.

Wie ein Netz ein Richtmikrofon lenkt

Ein Hörgerät hat zwei Mikrofone. Aus dem winzigen Zeitunterschied, mit dem ein Schall beide erreicht, lässt sich seine Richtung berechnen. Das Gerät kann eine Richtung bevorzugen und andere abschwächen. Tragen Sie zwei Geräte, tauschen sie sich per Funk aus. Dann stehen vier Mikrofone zur Verfügung.

Der Vorgänger IX bildet mehrere solche Richtkeulen gleichzeitig. Beim MaX 7 sind es drei, beim MaX 5 eine. Die offene Frage ist immer: Wohin sollen sie zeigen?

Hier setzt das erste Netz an. Es soll in rund 50 Millisekunden erkennen, wo gerade jemand spricht, und die Keulen dorthin führen. Wechselt der Sprecher, wandert die Keule mit.

Was die Forschung dazu zeigt

Das Prinzip ist in der Forschung beschrieben. In einer Simulation verbesserte ein Netz, das einem Richtmikrofon die Sprachanteile anzeigte, das Ergebnis um umgerechnet 4 bis 6 dB (Moore et al. 2018).

Es gibt aber auch ein Gegenbeispiel. In einem Hörtest mit 23 Schwerhörigen war die Kombination aus Richtmikrofon und Netz schlechter als das Richtmikrofon allein (Green et al. 2022). Mehr Technik ist nicht automatisch mehr Verstehen.

Eine dritte Arbeit zeigt, wann solche Systeme helfen: bei einzelnen Störsprechern aus bestimmten Richtungen. Im gleichmäßigen Kantinenlärm lag ein neuronales System gleichauf mit dem klassischen Richtmikrofon (Westhausen et al. 2024).

Vorbehalt: Alle drei Arbeiten haben Forschungssysteme getestet, nicht das Signia MaX. Sie zeigen, dass das Prinzip funktionieren kann und dass es scheitern kann.

Ein Richtmikrofon hat eine Nebenwirkung, die selten erwähnt wird. Signia hat sie selbst untersucht.

Own Voice Processing: die eigene Stimme als Sensor

Ein Hörgerät hört auch seinen Träger. Für die Automatik ist das ein Problem: Sie hält die eigene Stimme für ein Gespräch von außen und reagiert falsch. Messungen am Kunstkopf zeigen, dass die eigene Stimme die Automatik von Hörgeräten durcheinanderbringen kann (Budinsky et al. 2023, Tagungsbeitrag).

Das zweite Netz im MaX soll deshalb erkennen, wann Sie selbst sprechen. Das dient zwei Zwecken. Ihre Stimme wird anders verarbeitet, damit sie natürlich klingt. Und das Gerät weiß: Wer spricht und danach zuhört, führt ein Gespräch.

Warum zu viel Ruhe schadet

Menschen passen ihre Lautstärke dem Lärm an. In lauter Umgebung sprechen wir lauter, ohne es zu merken. Das heißt Lombard-Effekt.

Signia leitet daraus ein Argument ab: Dämpft ein Hörgerät die Umgebung stark, hält der Träger sie für leiser, als sie ist. Er spricht leiser. Sein Gegenüber versteht ihn schlechter.

Dazu gibt es eine begutachtete Studie aus dem eigenen Haus (Petersen 2024). 25 Dreiergruppen unterhielten sich in lautem Kantinenlärm. Jeweils eine Person trug Hörgeräte. Schaltete die Versuchsleitung deren Richtmikrofon auf die engste Stufe, sprach diese Person um 1,3 dB leiser. Die beiden anderen wussten nichts von der Umschaltung und sprachen unverändert weiter.

Eine Folgearbeit an denselben Gruppen berichtet, dass die normalhörenden Partner in dieser Einstellung mehr Missverständnisse hatten (Petersen et al. 2026).

Dass Hörgeräteträger mit Verstärkung leiser sprechen als ohne, hatte zuvor eine australische Arbeitsgruppe gezeigt (Beechey et al. 2020).

Vorbehalt: Die Autorin der beiden Petersen-Studien ist Angestellte des Signia-Mutterkonzerns WS Audiology, die normalhörenden Teilnehmer waren Mitarbeiter. Getestet wurde eine starre, sehr enge Richtkeule bei 75 dB Lärm. Das ist lauter als die meisten Restaurants. Der Effekt ist mit 1,3 dB klein. Ob das MaX das Problem löst, hat bisher niemand untersucht.

Was ich vom Vorgänger kenne

Einordnung: Die Vorgänger kenne ich aus der Anpassung gut. Viele Träger beschreiben ihre eigene Stimme zunächst als unangenehm. Nach dem Einschalten der Own-Voice-Verarbeitung ändert sich diese Rückmeldung meist noch im selben Termin. Das Einmessen dafür dauert etwa 30 Sekunden: Der Träger spricht, das Gerät lernt seine Stimme.

Beim MaX entfällt dieser Schritt. Für eine sorgfältige Anpassung ist das kein großer Unterschied. Es hilft dort, wo das Einmessen bisher ausgelassen wurde. Ob die Erkennung ohne Messung an der eigenen Stimme genauso treffsicher ist, prüfe ich in den ersten Anpassungen.

Bleibt das dritte Netz. Es soll die Umgebung verstehen.

Szenen statt Programme

Hörgeräte sortieren die Welt seit Jahren in Schubladen: Ruhe, Sprache im Lärm, Musik, Auto. Für jede Schublade gibt es eine Einstellung.

Wie unzuverlässig das ist, zeigt ein Vergleich von fünf Spitzengeräten verschiedener Hersteller. Sie hörten dieselben 28 Szenen und ordneten sie teils unterschiedlich ein, auch anders als menschliche Zuhörer (Yellamsetty et al. 2021).

Signia verspricht mit dem MaX den Abschied von den Schubladen. Das Gerät soll Nachhall, Rhythmus, Klangfarbe, Bewegung und Musik laufend messen und die Verarbeitung stufenlos nachführen. Alles geschieht im Universalprogramm.

Das Beispiel des Herstellers ist die Straße. Verkehrslärm vollständig zu dämpfen wäre angenehm. Es nähme Ihnen aber Information, die Sie zur Sicherheit brauchen.

Die Idee ist einleuchtend. Eine Studie, die fließende Anpassung gegen feste Programme prüft, habe ich nicht gefunden. Und ganz ohne Schubladen kommt auch Signia nicht aus: In der Anpasssoftware stellt der Hörakustiker weiterhin drei Gesprächs- und fünf Umgebungskategorien ein.

Was belegt ist und was nicht

Begutachtete Studien zum MaX gibt es nicht. Bei einem Gerät, das seit sechs Wochen verkauft wird, ist das normal.

Ebene Was vorliegt Wie belastbar
Begutachtet, zum MaX Nichts Keine Daten
Begutachtet, zum Vorgänger IX Zwei Hirnstrom-Studien mit 13 und 15 Personen (Slugocki et al. 2024a, 2024b) Kleine Gruppen. Die Autoren arbeiten im Forschungslabor des Konzerns
Unabhängiges Labor HearAdvisor, Messung am Kunstkopf: 4,3 von 5 Punkten Technische Messung, keine Träger
Hersteller Zwei Fachpapiere von 2026, ein drittes ist angekündigt Nicht begutachtet, bisher nicht öffentlich einsehbar
Nicht untersucht MaX gegen IX, Nutzen bei offener Versorgung, Eigenstimm-Erkennung ohne Einmessen, fließende Szenenanpassung Keine Daten

Was Signia sagt und woher es stammt

  • 97 Prozent der Träger verstehen im Gruppengespräch besser als mit Wettbewerbern: Die Quelle ist ein Fachpapier des Herstellers von 2026. Welche Geräte verglichen wurden, wie viele Personen teilnahmen und wie die Geräte angekoppelt waren, ist nicht veröffentlicht.
  • Platz 1 beim Signal-Rausch-Abstand im Gruppengespräch: ein zweites Fachpapier des Herstellers von 2026, ebenfalls nicht einsehbar.
  • 10 bis 34 Prozentpunkte Vorteil: Zahlen aus zwei Vorabstudien, eine im Konzernlabor in den USA, eine am Hörzentrum Oldenburg. Sie wurden auf einer Presseveranstaltung genannt.
  • 54-fache Rechenleistung, 75 Prozent mehr Datenpunkte: jeweils im Vergleich zum eigenen Vorgänger IX.
  • Reaktion in 0,01 Sekunden: Die Zahl steht in der Broschüre. Wie lange der Schall durch das Gerät braucht, steht dort nicht.

Zur Recherche: Für diesen Artikel habe ich im Oktober 2026 die Fachliteratur durchsucht. Zu drei Aussagen habe ich keine begutachtete Studie gefunden: dass die Erkennung der eigenen Stimme ein Gespräch zuverlässig anzeigt, dass fließende Szenenanpassung festen Programmen überlegen ist, und dass steuernde Netze filternden Netzen gleichwertig sind. Das heißt nicht, dass die Aussagen falsch sind. Es heißt, dass sie bisher Annahmen des Herstellers sind.

Signia testet sein Gerät in einem eigenen Aufbau: Gruppengespräch mit wechselnden Sprechern. Für den Vorgänger hat das Hörzentrum Oldenburg dafür den Oldenburger Satztest abgewandelt, mit Sprache aus wechselnden Richtungen (Bericht des Herstellers). Das ist legitim, denn genau dafür ist das Gerät gebaut. Es bedeutet aber auch: Die Zahlen gelten für diese Situation und nicht für jede.

Die Technik ist nur so gut wie ihre Anpassung

Die Labormessung von HearAdvisor enthält den wichtigsten Befund dieses Artikels. Mit der Werkseinstellung erreichte das MaX 7 bei Sprache im Störgeräusch 2,1 von 5 Punkten. Nachdem ein Fachmann die Verstärkung auf die Zielkurve eingestellt hatte, waren es 2,8. Dasselbe Gerät, dieselben Ohrstücke.

Ein Drittel mehr Leistung, allein durch die Einstellung.

Der Kern: Auch das beste Hörgerät bleibt weit unter seinen Möglichkeiten, wenn die akustische Ankopplung nicht passt und die Anpassung nicht im Ohr kontrolliert wird. Vier neuronale Netze ändern daran nichts. Sie können nur mit dem Schall arbeiten, der durch das Gerät läuft, und nur die Verstärkung liefern, die eingestellt wurde.

Drei Dinge entscheiden, wie viel vom MaX bei Ihnen ankommt. In meinem Fachgeschäft Neuroauditiv gehören alle drei zu jeder Versorgung.

Otoplastik statt Schirmchen

Ein Richtmikrofon kann nur den Schall formen, der durch das Hörgerät läuft. Ein Schirmchen verschließt den Gehörgang nicht. Tiefer Lärm gelangt daran vorbei direkt zum Trommelfell. Eine individuell gefertigte Otoplastik verringert diesen Direktschall.

Bei geschlossener Ankopplung klingt die eigene Stimme oft dumpf. Hier hilft die Own-Voice-Verarbeitung. Sie erlaubt mir beim Vorgänger, dichter anzukoppeln, als es sonst angenehm wäre.

Messung im Ohr

Die Anpasssoftware rechnet für ein Durchschnittsohr. Ob am Trommelfell ankommt, was ankommen soll, zeigt nur eine Messung mit einer Sonde im Gehörgang. Wie sie abläuft, beschreibt der Artikel zur Real-Ear-Messung (REM).

In einer Vergleichsstudie verstanden Träger mit gemessener Anpassung besser als mit der Voreinstellung des Herstellers (Valente et al. 2018). Die Messung von HearAdvisor zeigt dasselbe am MaX.

Neu ist beim MaX, was der Hörakustiker danach einstellt. In der Software Connexx 10 gibt es einen Bereich für Gespräche in ruhiger, mäßig lauter und lauter Umgebung. Für jede Stufe lässt sich festlegen, wie stark Sprecher hervorgehoben werden. Ein zweiter Bereich regelt fünf Situationen ohne Gespräch, etwa Auto, Straßenverkehr und Musik.

Signia betont, das Gerät liefere meist ohne Nachstellen gute Ergebnisse. Die Labormessung spricht dagegen.

Hörtraining und Hörtaktik

Ein Hörgerät stellt Information bereit. Sie im Alltag zu nutzen, ist ein Lernvorgang. Hörtraining per App verbessert die geübten Aufgaben. In den Alltag überträgt sich das nicht von selbst. Warum, steht im Artikel Hörtraining wirkt. Aber warum merkt man es im Alltag manchmal nicht?

In meiner Praxis kombiniere ich App-Training mit Aufgaben in echten Hörsituationen. Dazu kommt Hörtaktik. Beim MaX gehört dazu ein einfacher Rat: Setzen Sie sich so, dass Ihre Gesprächspartner vor Ihnen sitzen. Ein Richtmikrofon findet Sprecher leichter, wenn der Lärm aus einer anderen Richtung kommt als die Sprache.

Baustein Wie gut belegt
Otoplastik statt Schirmchen Akustisch begründet. Messdaten zum MaX mit verschiedenen Ohrstücken fehlen.
Messung im Ohr Durch Studien belegt. Am MaX durch die Labormessung gestützt.
Hörtraining per App Belegt für die geübten Aufgaben. Übertragung in den Alltag begrenzt.
Training in echten Hörsituationen Mein klinisches Modell, aus der Lernforschung abgeleitet. In Studien bisher nicht geprüft.
Hörtaktik Aus der Rehabilitationsforschung übertragen.

Diese Leistungen erklären einen Teil dessen, was als Nächstes kommt: den Preis.

Signia MaX 7 Preis: Was kostet das Hörgerät?

Das Spitzenmodell MaX 7 wird online für rund 2.000 Euro pro Gerät angeboten, im Fachgeschäft vor Ort für rund 3.500 Euro. Das sind Privatpreise nach meiner Marktkenntnis vom Oktober 2026, vor Abzug des Kassenanteils.

Wichtig: Vergleichen Sie nie den Gerätepreis allein. Vergleichen Sie den Preis einschließlich der Leistungen, die dazugehören. Ein Hörgerät ist kein fertiges Produkt. Was es leistet, entsteht in der Anpassung.

Was die gesetzliche Kasse übernimmt, steht im Artikel Hörgeräte Kosten: Was zahlt die Krankenkasse?

Woher kommt der Preisunterschied?

Das Gerät ist dasselbe. Die 1.500 Euro Unterschied sind der Preis der Dienstleistung: Diagnostik, Otoplastik, Anpassung, Messungen im Ohr und die Nachsorge über mehrere Jahre. Ob ein Angebot günstig ist, lässt sich erst sagen, wenn klar ist, was davon enthalten ist. Stellen Sie deshalb bei jedem Angebot vier Fragen, online wie vor Ort:

  1. Ist eine Otoplastik enthalten oder nur Schirmchen?
  2. Wird die Anpassung im Ohr gemessen?
  3. Wie viele Termine sind enthalten, und über welchen Zeitraum?
  4. Wer ist zuständig, wenn das Gerät nach zwei Jahren nachgestellt werden muss?

Beim MaX wiegt die zweite Frage schwer. Die Labormessung zeigt, wie viel Leistung in der Werkseinstellung liegen bleibt. Warum sich die Messung im Ohr nicht aus der Ferne ersetzen lässt, erklärt der Artikel Fernanpassung vs. Präsenztermin.

Signia MaX Erfahrungen und Test: Was bisher vorliegt

Das MaX ist seit sechs Wochen im Handel. Erfahrungen über Monate hat noch niemand. Drei Quellen gibt es bisher.

Labormessung. Das unabhängige Labor HearAdvisor misst Hörgeräte am Kunstkopf. Das MaX 7 erreichte 4,3 von 5 Punkten (Angaben bei HearingTracker). Bei Sprache im Störgeräusch waren es nach Einstellung 2,8 Punkte. Das liegt über dem Durchschnitt der 42 gemessenen Geräte, ist für sich genommen aber ein mittlerer Wert. Am besten schnitt das Gerät bei der Unterdrückung von Pfeifen ab.

Fachpresse. Der Chefredakteur von HearingTracker trug das MaX einen Tag lang auf einer Veranstaltung des Herstellers in München. Er beschreibt einen offenen, natürlichen Klang im Freien. Blieb die Gruppe zum Gespräch stehen, trat die Stimme des Sprechers hervor und der Hintergrund leicht zurück. In lauter Umgebung hörte er eine leichte Anhebung der Höhen.

Eigene Anpassung. Noch keine. Vom Vorgänger kann ich sagen: Die Verfolgung mehrerer Sprecher funktioniert, und die Eigenstimm-Verarbeitung ist eine der Stärken von Signia.

Einordnung: Diesen Abschnitt ergänze ich nach dem EUHA-Kongress und sobald Beobachtungen aus mehreren Wochen Tragezeit vorliegen. Das Datum der letzten Änderung steht am Ende des Artikels.

MaX, IX oder Phonak EON? Für wen sich was lohnt

  • Sie tragen bereits Signia IX: Die Richtmikrofon-Technik ist verwandt. Ein Wechsel lohnt sich, wenn Sie Bluetooth Classic und T-Spule in einem Gerät brauchen oder wenn Ihre eigene Stimme Sie bisher stört und nie eingemessen wurde.
  • Sie sitzen oft in Runden mit mehreren Personen: Dafür ist das MaX gebaut. Nehmen Sie die Stufe 7. Sie verfolgt drei Sprecher, die Stufe 5 einen.
  • Sie wollen im lauten Restaurant ein Gegenüber verstehen: Hier hat ein filterndes Netz wie im Phonak EON seine Stärke. Im Labor von HearAdvisor erreichte das EON Sphere 90 die Höchstnote 5,0. Ob dieser Test die Stärke des MaX im Gruppengespräch erfasst, ist offen.
  • Sie wollen so viel Umgebung wie möglich hören: Das ist der erklärte Ansatz von Signia. Probieren Sie beide Geräte im Alltag aus.
  • Sie brauchen Auracast heute: Das MaX ist vorbereitet, die volle Funktion ist für März 2027 angekündigt.
  • Leichter Hörverlust, offene Versorgung gewünscht: Der Nutzen ist bei beiden Geräten unsicher. Testen Sie mit Otoplastik, bevor Sie entscheiden.

Unterm Strich: Das MaX setzt auf die Richtmikrofon-Technik des Vorgängers vier Netze, die erkennen und lenken. Die Idee dahinter ist schlüssig und teils durch Forschung aus dem eigenen Haus gestützt. Unabhängig geprüft ist sie nicht. Die einzige unabhängige Messung zeigt ein solides Gerät, das erst nach sorgfältiger Einstellung seine Leistung bringt. Ob es seinem Namen gerecht wird, schreibe ich hier, sobald ich es angepasst habe.

Anpassung in Weilheim in Oberbayern: Ich führe das Fachgeschäft Neuroauditiv. Wenn Sie das Signia MaX mit Otoplastik, Messung im Ohr und begleitendem Hörtraining ausprobieren möchten: neuroauditiv.de

Häufige Fragen

Was ist das Signia Pure Charge&Go MaX?

Ein Akku-Hörgerät von Signia mit Lautsprecher im Gehörgang, erhältlich seit August 2026. Vier neuronale Netze analysieren Sprache, eigene Stimme, Umgebung und Störgeräusch und steuern damit die Verarbeitung.

Seit wann gibt es das Signia MaX in Deutschland?

Seit dem 24. August 2026. Am 14. Oktober 2026 startet auf dem EUHA-Kongress in Hannover die Werbekampagne für Endkunden.

Wofür steht MaX?

Für „Multi-adaptive Xperience“. Die Plattform folgt auf Integrated Xperience (IX) von 2023.

Was ist der Unterschied zwischen Signia MaX und Signia IX?

Das MaX hat einen neuen Chip und vier neuronale Netze, die die Richtmikrofone und die Störgeräuschunterdrückung steuern. Die eigene Stimme wird ohne Einmessen erkannt. Bluetooth Classic, LE Audio und T-Spule stecken in einem Gerät.

Trennt das Signia MaX Sprache mit künstlicher Intelligenz vom Lärm?

Nach den Herstellerunterlagen arbeiten die Netze überwiegend als Erkenner. Sie lenken Richtmikrofone, statt den Schall selbst zu filtern. Im Detail legt Signia das nicht offen.

Was kostet das Signia MaX?

Das MaX 7 kostet online rund 2.000 Euro pro Gerät, im Fachgeschäft rund 3.500 Euro, jeweils vor Abzug des Kassenanteils. Der Unterschied liegt in den enthaltenen Leistungen. Vergleichen Sie deshalb immer den Preis einschließlich Otoplastik, Messung im Ohr und Nachsorge.

Gibt es schon Erfahrungen mit dem Signia MaX?

Bisher liegen eine Labormessung am Kunstkopf und erste Eindrücke aus der Fachpresse vor. Erfahrungen von Trägern über mehrere Monate gibt es Stand Oktober 2026 noch nicht.

Gibt es einen unabhängigen Test des Signia MaX?

Ja, eine Labormessung. HearAdvisor hat das MaX 7 am Kunstkopf gemessen: 4,3 von 5 Punkten insgesamt, 2,8 Punkte bei Sprache im Störgeräusch nach Einstellung auf die Zielkurve. Einen unabhängigen Test mit Trägern gibt es noch nicht.

Welche Nachteile hat das Signia MaX?

Unabhängige Studien fehlen. Auracast kommt erst per Update. Das Gerät arbeitet nur mit der neuen Signia One App, die iOS 17 oder Android 13 voraussetzt. In der Werkseinstellung blieb es im Labor bei Sprache im Störgeräusch unter seinen Möglichkeiten.

Zahlt die Krankenkasse das Signia MaX?

Die gesetzliche Krankenkasse zahlt bei ärztlicher Verordnung einen festen Betrag je Hörgerät. Den Rest tragen Sie selbst. Die Einzelheiten stehen im Artikel Hörgeräte Kosten: Was zahlt die Krankenkasse?

Gibt es das Signia MaX auch als Im-Ohr-Hörgerät?

Bisher nicht. Stand Oktober 2026 ist das Pure Charge&Go MaX das einzige Gerät mit der neuen Plattform. Es sitzt hinter dem Ohr, der Lautsprecher im Gehörgang.

Gibt es Studien zum Signia MaX?

Begutachtete Studien gibt es nicht. Der Hersteller beruft sich auf eigene Fachpapiere, die bisher nicht öffentlich einsehbar sind.

Was ist der Unterschied zwischen MaX 7, MaX 5 und MaX 3?

Alle drei enthalten die vier Netze. Das MaX 7 verfolgt drei Sprecher gleichzeitig und hat 48 Verarbeitungskanäle, das MaX 5 verfolgt einen Sprecher mit 36 Kanälen, das MaX 3 hat 32 Kanäle.

Brauche ich für das Signia MaX eine Otoplastik?

Das Gerät funktioniert auch mit Schirmchen. Ein Richtmikrofon wirkt aber nur auf den Schall, der durch das Hörgerät läuft. Bei offener Versorgung gelangt tiefer Lärm daran vorbei ins Ohr.

Wie lange hält der Akku des Signia MaX?

Nach Herstellerangabe bis zu 30 Stunden ohne Streaming. 30 Minuten Laden reichen für rund 6 Stunden.

Hat das Signia MaX Auracast?

Das Gerät ist dafür vorbereitet. Die volle Funktion soll bis März 2027 per Update über die Signia One App kommen.

Signia MaX oder Phonak EON?

Das hängt von Ihrer Situation ab. Das MaX ist auf Gruppengespräche mit wechselnden Sprechern ausgelegt und lässt mehr Umgebung durch. Das EON filtert Sprache mit einem neuronalen Netz aus dem Lärm. Einen unabhängigen Vergleich beider Geräte an Trägern gibt es nicht.


Quellen

Begutachtete Studien

Moore AH et al. (2018). Binaural Mask-Informed Speech Enhancement for Hearing Aids with Head Tracking. 16th International Workshop on Acoustic Signal Enhancement (IWAENC), 461–465. DOI: 10.1109/IWAENC.2018.8521361

Green T et al. (2022). Speech recognition with a hearing-aid processing scheme combining beamforming with mask-informed speech enhancement. Trends in Hearing 26. DOI: 10.1177/23312165211068629

Westhausen NL et al. (2024). Real-Time Multichannel Deep Speech Enhancement in Hearing Aids: Comparing Monaural and Binaural Processing in Complex Acoustic Scenarios. IEEE/ACM Transactions on Audio, Speech, and Language Processing 32, 4596–4606. DOI: 10.1109/TASLP.2024.3473315

Yellamsetty A et al. (2021). A Comparison of Environment Classification Among Premium Hearing Instruments. Trends in Hearing 25. DOI: 10.1177/2331216520980968

Beechey T, Buchholz JM, Keidser G (2020). Hearing Aid Amplification Reduces Communication Effort of People With Hearing Impairment and Their Conversation Partners. Journal of Speech, Language, and Hearing Research 63, 1299–1311. DOI: 10.1044/2020_JSLHR-19-00350

Budinsky R et al. (2023). The impact of hearing aid user’s own voice on device signal processing. The Journal of the Acoustical Society of America, Tagungsbeitrag. DOI: 10.1121/10.0018132

Valente M et al. (2018). Differences in Word and Phoneme Recognition in Quiet, Sentence Recognition in Noise, and Subjective Outcomes between Manufacturer First-Fit and Hearing Aids Programmed to NAL-NL2 Using Real-Ear Measures. Journal of the American Academy of Audiology 29, 706–721. DOI: 10.3766/jaaa.17005

Begutachtete Studien mit Herstellerbeteiligung (WS Audiology)

Petersen EB (2024). Investigating conversational dynamics in triads: Effects of noise, hearing impairment, and hearing aids. Frontiers in Psychology 15, 1289637. DOI: 10.3389/fpsyg.2024.1289637

Petersen EB, Munck MSR, Pedersen AK (2026). Quantifying Miscommunications in Triadic Conversations: Effects of Hearing Impairment, Hearing Aids, and Background Noise. Ear and Hearing. DOI: 10.1097/AUD.0000000000001855

Slugocki C et al. (2024a). Using Alpha-Band Power to Evaluate Hearing Aid Directionality Based on Multistream Architecture. American Journal of Audiology. DOI: 10.1044/2024_AJA-24-00117

Slugocki C et al. (2024b). Using the Mismatch Negativity to Evaluate Hearing Aid Directional Enhancement Based on Multistream Architecture. Ear and Hearing 46, 747–757. DOI: 10.1097/AUD.0000000000001619

Herstellerangaben, Labormessung und Fachpresse (nicht begutachtet)

WS Audiology (2026). Signia Introduces MaX, Powered by Acoustic Intelligence. Pressemitteilung, 24. August 2026.

Signia GmbH (2026). MaX Plattformbroschüre, Leistungsklassen Signia MaX und Anpass- und Connexx-Leitfaden. August 2026.

Jensen NS, Wilson C, Kamkar Parsi H, Ramirez I, Vormann M (2026). Signia Multi-adaptive Xperience outperforms key competitors in group conversation in noise. Signia White Paper. Nicht öffentlich einsehbar.

Jensen NS et al. (2026). Signia Multi-adaptive Xperience with Acoustic Intelligence: Holistic AI-driven enhancement of conversations in noise. Signia White Paper. Nicht öffentlich einsehbar.

Signia (2025). Improving Speech Understanding in Noisy Group Conversation. Bericht über eine Studie des Hörzentrums Oldenburg zum Vorgänger IX. AudiologyOnline.

Strom K (2026). Signia MaX Hearing Aids Introduced So You Can “Live Noisy”. HearingTracker, 24. August 2026.

Strom K, Taddei S (2026). Signia Pure Charge&Go MaX Review, mit Laborwerten von HearAdvisor. HearingTracker, 24. September 2026. Abgerufen am 6. Oktober 2026.

pro.meinhoergeraet.de (2026). Neue Signia-Plattform: Mit MaX steigt der Erlanger Hersteller vollends in KI ein, 24. August 2026, und Live von der EUHA: Signia startet die Kampagne, 24. September 2026.

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Über den Autor

Max Bauer

Maximilian Bauer, MSc. Clinical Audiology
Maximilian Bauer gilt als erfahrener Experte für Hörsystemversorgung, moderne Hörakustik und ethische Beratung im Gesundheitswesen. Er verbindet handwerkliche Präzision mit akademischem Wissen und setzt sich für eine transparente, menschenorientierte Hörversorgung ein.

www.hoergeraete-insider.de


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