Die Weihnachts-Strategie: Wie Sie mit Hörgeräten entspannt durch den Festtag kommen – ohne lauter zu drehen.

von von Maximilian Bauer, MSc. Clinical Audiology (Kommentare: 0)

Die Strategie

Mit diesen 3 Tips können Sie an Weihnachten besser verstehen
👨‍⚕️

Von Maximilian Bauer

M.Sc. Clinical Audiology (Salus University)

Auf den Punkt gebracht: Der größte Fehler an Weihnachten ist nicht der Lärm selbst, sondern reflexartig an der Lautstärke zu drehen. Ständiger Lautstärkewechsel bedeutet meist mehr Stress. Mit drei einfachen neuro-auditiven Strategien können Sie Gespräche besser verstehen und sich spürbar weniger erschöpft fühlen.

Weihnachten ist für viele Menschen kein stilles Fest, sondern ein akustischer Ausnahmezustand. Mehrere Gespräche gleichzeitig, klapperndes Geschirr, Musik im Hintergrund und dazu der Anspruch, alles mitzubekommen.

Das Problem: Unser Hörsystem ist für genau diese Situationen extrem fordernd. Was Sie erleben, ist kein persönliches Versagen und kein Zeichen für „schlechte Geräte“. Es ist neurobiologisch erklärbar.

Warum „einfach lauter“ fast immer der falsche Reflex ist

Wenn es unruhig wird, greifen viele automatisch zum Lautstärkeregler. Verständlich, aber ungünstig. Lauter verstärkt nicht nur Sprache, sondern auch jedes Störgeräusch. Das Signal-Rausch-Verhältnis verbessert sich nicht. Ihr Gehirn muss weiterhin filtern – nur unter höherer Belastung.

Das Ergebnis ist oft genau das Gegenteil von dem, was Sie erreichen möchten: mehr Hörstress, schnellere Erschöpfung, Kopfschmerzen.

Strategie 1: Die Raum-Taktik („Wand im Rücken“)

Der wirkungsvollste Tipp kostet nichts und wird trotzdem selten genutzt.

Setzen Sie sich an Weihnachten nicht mitten in den Raum und nicht an die Stirnseite des Tisches. Wählen Sie einen Platz mit einer Wand im Rücken.

Der Effekt ist neurophysiologisch gut erklärbar: Wenn hinter Ihnen eine Wand ist, kommt relevanter Schall nur aus einem begrenzten Raumwinkel. Ihr Gehirn muss den Raum hinter Ihnen nicht permanent „überwachen“. Diese eingesparte Rechenleistung steht Ihnen für das Gespräch zur Verfügung.

Zusatzbonus: Achten Sie darauf, dass das Licht auf das Gesicht Ihres Gegenübers fällt. Das Mundbild liefert einen erheblichen Anteil der Sprachinformation und entlastet Ihr Hörsystem messbar.

Strategie 2: Technik richtig einsetzen („Fokus statt Pegel“)

Wenn es lauter wird, drehen Sie nicht komplett runter. Nutzen Sie stattdessen gezielt die Technik, die genau für solche Situationen entwickelt wurde.

  • Wechseln Sie in Ihrer App in das Störlärm- oder Restaurant-Programm.
  • Richten Sie die Mikrofone nach vorne aus.
  • Haben Sie den Mut, die Lautstärke einen kleinen Schritt zu reduzieren.

Ein minimal leiseres Signal das über das Restaurant Programm entsteht, nimmt oft die Schärfe aus dem Lärm. Viele Betroffene berichten danach über weniger Stress und sogar besseres Verstehen, obwohl es objektiv leiser ist.

Strategie 3: Die 90-Minuten-Regel (Neuro-Reset)

Hören in Gesellschaft ist Hochleistungssport für den auditorischen Cortex, also der Teil im Gehirn der auditive Signale in verstandene Sprache umwandelt. Diese Belastung summiert sich über die Zeit.

Warten Sie nicht, bis der Kopf brummt oder rauscht oder Sie innerlich „abschalten“. Planen Sie bewusst kurze Pausen ein.

Spätestens alle 90 Minuten kurz den Raum verlassen – Küche, Flur oder frische Luft. Fünf Minuten absolute Ruhe reichen oft aus, um das System neu zu kalibrieren.

Dieser kurze neuro-auditive Reset kann den Unterschied machen zwischen einem anstrengenden Abend und einem Fest, an das man sich gerne erinnert.

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Ein Wort an Ihre Familie

Gutes Verstehen an Feiertagen ist Teamarbeit. Wenn Sie möchten, zeigen Sie diesen Abschnitt gerne Ihren Angehörigen.

  • Blickkontakt: Bitte erst ansprechen, dann reden. Ohne Blickkontakt ist der Fokus häufig noch nicht gesetzt.
  • Klarheit vor Lautstärke: Nicht schreien. Langsames, deutliches Sprechen ist meist effektiver.
  • Hintergrund prüfen: Musik leiser stellen, wenn Gespräche wichtig sind. Beides gleichzeitig zu filtern ist Schwerstarbeit für das Gehirn.

Kurz zusammengefasst: Weihnachten muss kein akustischer Kraftakt sein. Mit der richtigen Position, sinnvoll eingesetzter Technik und geplanten Pausen schonen Sie Ihre kognitiven Ressourcen – für mehr Ruhe, mehr Verstehen und mehr Energie für das Wesentliche.

P.S. Wenn jemand in Ihrer Familie an Feiertagen schnell erschöpft wirkt oder sich zurückzieht, ist das oft kein Desinteresse, sondern Höranstrengung. Manchmal hilft bereits ein besser gewählter Platz am Tisch.

Stand: Dezember 2025

Über den Autor

Max Bauer

Maximilian Bauer, MSc. Clinical Audiology
Maximilian Bauer gilt als erfahrener Experte für Hörsystemversorgung, moderne Hörakustik und ethische Beratung im Gesundheitswesen. Er verbindet handwerkliche Präzision mit akademischem Wissen und setzt sich für eine transparente, menschenorientierte Hörversorgung ein.

www.hoergeraete-insider.de


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