Benutzen Sie diese Checkliste bei Ihrem Akustikerbesuch

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Hörakustiker-Besuchs-Checkliste

Mittlerweile informiert man sich über so ziemlich alles bevor man einen Dienstleister besucht. Sei es ein Anwalt, ein Arzt oder ein Autohaus.

Wo aber bekommt man generell ein Wissen darüber wie "gutes Arbeiten" aussehen sollte. Diese Informationen sind schwierig zu bekommen.

Man findet ev. Bewertungen bei Google. Das hilft schon mal weiter. Noch besser sind Empfehlungen von Menschen, denen man vertraut.

Um jedoch den Goldstandard herauszufinden, der eine gute Arbeit ausmacht, müssen Sie normalerweise lange recherchieren.

Ich möchte Ihnen hier entgegenkommen und genau aufzeigen, wie wir als Hörgeräteakustiker arbeiten müssen, damit es sich am Ende um eine qualitativ hochwertige und überdurchschnittlich gute Hörgeräteanpassung handelt.

Das PDF zum kostenlosen Download finden Sie >>HIER<<

Ich gehe es gerne mit Ihnen durch um die einzelnen Punkte zu erklären:

Einen Anamnese ist die Aufnahme aller wichtigen Informationen zu Ihrer Person und Situation. Das ist so umfangreich dass es einen eigenen Artikel bedürfte. Deswegen habe ich hier die Kürzel COSI und APHAB benützt. Das sind internationale Anamnesebögen. Danach können Sie gerne Ihren Akustiker fragen. Er sollte sie kennen. Hier das offizielle englische COSI Dokument. Kurz gesagt, es werden die Hörsituationen, die für Sie am schwierigsten sind, vor und nach der Anpassungen aufgenommen.

Zu Otoskopie muss ich weniger erklären. Der Gehörgang wird bis zum Trommelfell untersucht um zu sehen ob sich z.B. Cerumen im GG befinden oder etwas anderes was dort nicht hin gehört. Eine ärztliche Untersuchen sollte schon vorab passiert sein.

Abdrucknahme: Um später eine Maßanfertigung für Sie erstellen zu können, kann entweder ein 3D Scan erfolgen (das machen wir gerne) oder man spritzt eine Silikonmasse in Gehörgang und Ohrmuschel, die nach ca. 2-3 Minuten aushärtet.

Der Abdruck sollte bis hinter den zweiten Knick gehen und blasenfrei sein. Ja, der Gehörgang hat "Knicke"..:-)

Hörtest: Er besteht aus zwei Testarten, das Tonaudiogramm und das Sparchaudiogramm. 

Das Tonaudiogramm besteht aus drei Tests. Die Hörschwelle, gemessen mit einem Kopfhörer, die Hörschwelle gemessen mit einem Knochenleitungsbügel und die UCL (Unbehaglichkeitsschwelle). Damit Ihre Hörgeräte später nicht zu laut eingestellt werden, misst der Akustiker bis zu welcher Lautstärke sie Töne akzeptieren können.

Beim Sprachaudiogramm werden Ihnen erst Zahlen vorgespielt. Das wird extra sehr leise gemacht da man die Lautstärke finden möchte, bei der Sie genau 50% verstehen können. Mit dieser Lautstärke kann der Akustiker kontrollieren ob er die Hörschwelle richtig gemessen hat. Es gibt hier einen Zusammenhang.

Danach werden Ihnen einsilbige Wörter vorgespielt. Man ermittelt hier den sogenannten dB opt. Das ist die Lautstärke bei der Sie am besten verstehen können. Das ist später für die Auswertung wichtig, da dieser Wert mit Hörgeräten im sogenannten "Freifeld" erreicht werden sollte.

Ihr Hörakustiker sollte Ihnen im Anschluss an die Messung unbedingt das Ergebnis erklären. 

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Nach der Anamnese, der Abdrucknahme und den Messungen sollten, wenn auch nicht immer möglich oder machbar unbedingt alle Hörgeräte-Bauformen gezeigt werden. Also HdO, RIC, IdO (IIC, CIC, ITC, ITE) falls nötig auch Knochenverankerte Geräte und bei einseitiger Taubheit auch CROS oder BiCROS. 

Neben den Bauarten ist das Verständnis von technischen Features wichtig.

Dazu gehören Schalter wie die Lautstärkewippe und der Programmumschaltknopf. Wichtig wenn zB jedes Gerät alleine bedient werden soll oder beide gleichzeitig (das geht dann über Funk).

Angesprochen werden soll:

Die Akkutechnologie, eine Induktionsspule, Vorteile von Bluetooth, Apps zur Steuerung, der Remote Support, welches Handy Sie benützen (es arbeitet nicht jedes Gerät mit Android), Zubehör zB zum Fernsehen, die unterschiedlichen Techniklevel, was kann man fürs einfachere Telefonieren tun und Zubehör wie zB Blitzlampen.

Hier ist auch ganz wichtig dass Ihnen erklärt wird, was Ihre Krankenkasse zu Hörgeräten zuzahlt (ausser bei Privatversicherten), das sind in der Regel zwischen 650 und 700 EUR plus eine sogenannte Reparaturpauschale von ca. 125 EUR.

Sie bekommen also auch ohne Eigenanteil eine hochwertige Hörgeräteversorgung.

Dann spricht Ihnen der Akustiker auf Grund aller vorhandenen Daten eine Empfehlung für die Bauart und Technik aus.

Ich empfehle auf jeden Fall zwei unterschiedliche Geräte zu testen. In Ausnahmefällen auch mal drei Paar. Mehr Geräte verwirren in der Regel nur und verunsichern den Träger. 

Vor kurzem wurde eine Studie veröffentlich die aussagt, dass Kunden die zwei Paar Geräte getestet haben mit 4-5 Anpass- bzw. Besprechungsterminen am Schluss am zufriedensten waren. (Hörprofil März 2021)

Achten Sie bei der Hörgeräteanpassung darauf dass Ihre Geräte mittels Real-Ear-Measurement angepasst werden. 

Dazu wird ein kleiner Sondenschlauch in der Gehörgang gelegt und Sie werden abgehackte Sprachsilben aus einem Lautsprecher hören.

Ohne diese Messung weiß der Akustiker nicht wie viel Verstärkung die Hörgeräte an Ihr Trommelfell abgeben. Man tappt im Dunkeln und hofft dass die Lautstärke für Sie "ok" ist.

Nach dieser Messung wird der Akustiker Ihnen wieder Worte aus einem Lautsprecher vorspielen um zu sehen ob man den oben erwähnten dB opt erreicht oder nicht.

Nun wird Ihr Akustiker sich Zeit nehmen und Ihnen die Bedienung und das Einsetzen der Geräte genau erklären. Falls nötig hilft er Ihnen die passende App auf Ihr Handy zu laden um dann die Hörgeräte damit zu koppeln.

Ausserdem sollte er noch auf die Eingewöhnungszeit eingehen.

Im Folgetermin (nach ca. einer Woche) bespricht Ihr Akustiker dann Ihre Erfahrungen mit Ihnen und kann dann ev. eine Feinanpassung durchführen.

So:) 

Das ist der sogenannte Goldstandard einer Hörgeräteanpassung. Im Grunde genommen das was jeder Hörgeräteakustiker in der Schule oder auch Uni lernt und das was geprüft wird. 

Drucken Sie sich mein PDF aus und nehmen Sie es sich mit zu Ihrem Hörakustiker Termin. Wenn Sie sich ganz sicher sein möchten können Sie natürlich auch zu einem meiner Partnerakustiker gehen oder zu mir nach München kommen. 

Viele Erfolg und Spaß mit Ihren neuen Hörgeräten!

 


Über den Autor

Max Bauer

Max Bauer
Hörakustikmeister und Audiologie Student

www.hoergeraete-insider.de


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